Stadtportal Schwabach

Schatzkarte ortung X

Von Walter Yu und You Gu

Walter Yu und You Gu setzen sich in ihren Werken mit Sprache und Sprachverwendung im öffentlichen Raum auseinander. Bei ortung X zeigen sie mit 18, teils poetischen und vielschichtigen Straßenschildern an den üblichen Schilderpfosten den Konflikt zwischen (Werbe- und Schild-)Sprache und historischen und gesellschaftlichen Realitäten. Beim Entdecken der Schilder in Schwabacher Schrift und teilweise Rotwelscher Sprache (Rotwelsch = mittelalterliche „Gaunersprache“) wird die Stadtgeschichte zur Schatzkarte. „Die Stadtgeschichte ist das Gold, und das Zeichen des Goldes ist eben die Schwabacher Schrift“ (Yu/Gu). Ein neuer Blickwinkel auf Schwabach öffnet sich.

Hier finden Sie, in alphabetischer Reihenfolge, die Schilder der "Schatzkarte":

  acheln.png

“acheln”
auf Rotwelsch “essen” (Rotwelsch = mittelalterliche „Gaunersprache“)

Ärtwert a ins gemöit 

 

 

 „Ärwert a ins Gemöit“
„Arbeit ins Gemüt“, Zitat aus dem Gedicht “Die Noudl” der Schwabacher Dichterin Else Opitz
Ort: vor dem Rathaus.

 

bekämpfung des Einflusses

 

 

 

"Bekämpfung des Einflusses"
Der Kampf gegen und die Angst vor unbestimmtem „Einfluss von außen“ wiederholt sich stetig in der Geschichte der Menschheit – eine Warnung des/r Künstler/in.
Zitat aus dem Schwabacher Tagblatt vom 19.10.1919

 

 blous s dahamm

 

 

„Blous a Dahamm“
„Nur ein zuhause“, Untertitel der Gedichtsammlung „Mei Schwouba“ von Else Opitz
Ort: auf dem Franzosenfriedhof (angelegt von in Schwabach siedelnden Hugenotten)

 

das etliche falsche kupfer

 

 

 

„das etliche falsche Kupfer“
1492 wurden in Nürnberg falsche Schwabacher Goldgulden gefunden. Im selben Jahr wurden die Falschmünzer enthauptet. In einem Brief schrieb der Schwabacher Münzmeister Hans Rosenberger:
„Es waren Nürnberger Bürger, der Patrizier Heinrich Schürstab und Goldschmied Hans Langenfelder, die etliche falsche kupferne oder messingne Gulden gemacht hatten
auf markgräflichen Schlag.“
Ort: in Sichtweite des vergoldeten Rathausturmes.

 

drei sonnen

 

 

 

„drei Sonnen“
Nach dem Bericht der Schwabacher Müllertochter Anna Wolf (geb. 1602), haben sich vor der Plünderung Schwabachs durch Wallensteins Truppen im Jahr 1632, „drei Sonnen am Himmel sehen lassen“.

 

fast wie knaben

 

 

 

„fast wie Knaben“
“Die Weiber sind leichten Verstands, fast wie Knaben.”
Zitat aus dem „Hexenhammer” (Der "Hexenhammer" des Dominikanermönchs Heinrich Kramer (1487 1. Aufl) legitimierte die Hexenverfolgungen durch die Inquisitoren als Anleitung zur Überführung und Verurteilung von vermeintlichen Hexen bis in das 18. Jahrhundert.)

 

fröiher su wöi heit

 

 

 

„fröier su wöi heit“
„früher so wie heute“, Zitat aus dem Gedicht “Goldschloocher” der Schwabacher Dichterin Else Opitz
Ort: neben der Sonnenuhr an der Stadtkirche.

 

immä immä weita naus

 

 

 

„immä, immä weitä naus“
Zitat aus einem Gedicht der Schwabacher Dichterin Mathilde Reuß
„Schwouba kennt aa Venedig saa“ (Auszug)
„Kaum is di Urlaubszeit oobrochen
macht si alläs af di Sockn
schwärmt in jede Richtung aus
immä, immä weitä naus“

 

im wasser unter der Erde

 

 

 

 

 „im Wasser unter der Erde“
aus den Zehn Geboten (Ex 20,1-6)
„Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde“
Ort: neben der Hochwassermarkierung an der Spitalkirche

 

kann nicht anders

 

 

 

 “Hier stehe ich, und kann nicht anders”
Der Legende nach ein Zitat von Martin Luther, der 1521 auf dem Reichstag zu Worms seine
Schriften widerrufen sollte. Angeblich beendete Luther seine Absage an den Widerruf mit diesen Worten
Ort: vor der Stadtkirche

 

kies fuchs

 

 

 

 

"Kies Fuchs"
“Geld Gold” auf Rotwelsch (Rotwelsch bezeichnet eine mittelalterliche Sonder-/Geheimsprache der „Gauner“, Krämer, Bettler mit, die zur Geheimhaltung einen eigenem Wortschatz herausbildete)

 

Lehm und stroh

 

 

 

„Lehm und Stroh“
“Erbsenbrei und Sauerkraut” auf Rotwelsch (Rotwelsch = mittelalterliche „Gaunersprache“)

 

öffentliche ruhe

 

 

 

„öffentliche Ruhe“
Bericht aus dem Schwabacher Tagblatt vom 05.04.1933:
„Schutzhaft: Der Kellner Georg Schuster war in Schutzhaft zu nehmen. Durch das Singen von Spottliedern, hat er bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung eine Erbitterung
hervorgerufen, die Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung befürchten läßt.“
Ort: vor dem ehemaligen Wohnhaus des Kellners, Falkensteingasse 4.

 

toujours plaisir und vergnügen

 

 

 

 

„toujours plaisir und vergnügen“
„Mein Sohn! Ich fände es besonders lieb, keins Deiner Werke erschien in den fatalen lateinischen Lettern, das macht mir toujour plaisir und Vergnügen. Nicht nur Damen, selbst Dienstmädchen kriegen dadurch Verlangen nach Deinem ‚Hermann und Dorothea‘.“ (Brief von Goethes Mutter an Goethe)

 

wort bleibt ewig

 

 

 

„Wort bleibt ewig“
Ort: vor der Franzosenkirche

 

wou mä gern is und net einsam

 

 

 

 

„wou mä gern is und net einsam“
„wo man gerne ist und nicht einsam“, Zitat aus der Gedichtsammlung „Erinnerung schteckt ibärall“ von Mathilde Reuß
Ort: vor der ehemaligen Fürstenherberge, Durchgang zu Kulturhaus, Bibliothek, Galerie

 

 wo die mineralkraft wirkt

 

 

„wo die Mineralkraft wirkt“

„weil die substantielle Form des Goldes nicht kommt durch die Hitze des Feuers, dessen die Alchymisten sich bedienender, sondern durch die Hitze der Sonne am bestimmten Orte,
wo die Mineralkraft wirkt.“
Ort: vor einer ehemaligen Blattgoldwerkstatt
Zitat aus dem „Hexenhammer“ (Der "Hexenhammer" des Dominikanermönchs Heinrich Kramer (1487 1. Aufl) legitimierte die Hexenverfolgungen durch die Inquisitoren als Anleitung zur Überführung und Verurteilung von vermeintlichen Hexen bis in das 18. Jahrhundert.)

Veranstaltungsdaten

Beginn: Samstag, 5. August 2017
Ende: Sonntag, 20. August 2017
Ort: Altstadt Schwabach und Stadtmuseum

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