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Gibt's auch nicht alle Tage: Richtfest an einem alten Gebäude. Zimmermeister Tim Weise verlas den Richtspruch. Rechts die Richtkrone.

Zweites Richtfest nach rund 250 Jahren

Halbzeit beim ersten Bauabschnitt: Aus dem "Alten DG" könnte etwas wirklich Schönes werden.

Eigentlich wird ein Richtfest nur bei Neubauten gefeiert; dann wenn die Hülle steht, wenn das Skelett fixiert ist. Große Teilde des "Alten Deutschen Gymnasiums", das früher schon mal als Gefängnis und Besserungsanstalt gedient hat, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Da erscheint es auf den ersten Blick ein bisschen spät, jetzt (wieder) Richtfest zu feiern. Die Stadt tat das dennoch in dieser Woche.

Sie tat es aus vier Gründen. Erstens, weil ein Teil des mächtigen Sandsteinbaus, derjenige an der Südlichen Ringstraße, tatsächlich einen neuen Dachstuhl erhalten hat. Zweitens, weil auch im Rest des Bauabschnittes I (Wittelsbacherstraße) viele neue Balken das alte Gestühl zieren. Drittens, weil die Stadt zur Halbzeit des ersten Bauabachnittes einfach mal Danke sagen wollte an Architekten und Baufirmen. Und viertens, weil es bei den 12,3 Millionen-Euro-Projekt ganz einfach um die wichtigste und größte Hochbaumaßnahme handelt, die Schwabach in den vergagenen 20 Jahren in Angriff genommen hat.

 Dabei schienen bis vor einigen Jahren die Tage des Alten DG, so wie es die Schwabacher kennen, gezählt. Die Stadt hatte sich in Zeiten leerer Kassen mit dem Gedanken getragen, das Gebäude an einen Investor zu verkaufen; einfach, um einen Klotz weniger am Bein zu haben. Dass bei Oberbürgermeister und Verwaltung ein Umdenken eingesetzt hat, ist nicht zuletzt engagierten Bürgern zu verdanken, die um "ihr" Altes DG gekämpft haben.

Der Neustart, da sind sich inzwischen alle sicher, hat sich gelohnt. Die zu den Hauptstraßen zeigenden Bauteile bleiben im Besitz der Stadt. In ihnen wird die Berufsschule eine neue Heimat finden. Hier können auch Musikschule und Puppenbühne bleiben.

Die hinteren Teile des Gebäudekomplexes übernimmt die städtische GeWoBau, die mit den Sanierungsarbeiten beginnt, sobald der erste Bauabschnitt erledigt ist. Das soll im September 2017 der Fall sein, wenn Musik- und Berufsschule nach den Ferien wieder den Betrieb aufnehmen. Mit einer Krankenpflegeschule ist ein erster Mieter schon gefunden. Im hinteren Bereich des Alten DG, jener Bereich, der zum Seminargarten zeigt, werden aber in erster Linie Wohnungen entstehen.

Noch weiß man nicht, ob der straffe Zeitplan zu halten ist. In einem alten Baukörper kann ja theoretisch immer etwas schlummern, womit selbst die schlauesten Fachleute nicht gerechnet haben. Bislang aber läuft die Baustelle ohne Probleme, "politisch muss man sich nicht mehr einmischen", lobte Oberbürgermeister Matthias Thürauf beim Richtfest.

Und was die Kosten angeht, scheint es günstiger zu werden als erwartet. Mit 12,3 Millionen Euro hatte die Stadt kalkuliert, derzeit liegt man gut eine Million unter Plan. "Sehr erfreulich, nicht nur für den Kämmerer", so Thürauf.

Mit dem Architekten Rainer Kriebel hat die Stadt einen Spezialisten gewinnen können, dem es schon öfter gelungen ist, sich auf den ersten Blick ausschließende Nutzungen (Schule und Wohnen) wunderbar zusammenzuführen.

Der Würzburger hat etwas vorgefunden, was sich durchaus lohnt weiterzuentwickeln. Das ist auch der städtischen Gebäudemanagerin Margaretet Koenen und ihrem kleinen Team zu verdanken. Mit dürftigen Mitteln ausgestattet, schaffen sie es, das Gebäude gut über die Jahre zu bringen. "Dass das Gebäude noch so dasteht, liegt daran, dass es viele lieben", erklärte Koenen beim Richtfest.

Architet Reiner Kriebel machte deutlich, dass die Stadt in alter Hülle ein neues Gebäude bekomme. Übrig geblieben sei letztlich nur das (denkmalgeschützte) Skelett. Innen werden sich künftige Besucher noch die Augen reiben: barrierefrei, hell, modern. Kriebel würdigte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, brach aber in erster Linie eine Lanze für die Baufirmen und ihre Arbeiter.

Einer davon ist Zimmermeister Tim Weise, der vom obersten Gerüst den Richtspruch vortrug. Das obligatorische Richtbäumchen suchte man dabei vergebens. Stattdessen hing an einem Ausleger eine Richtkrone. Warum auch nicht? Schließlich war es ja auch kein normales Richtfest.

 

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