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Der Schwabacher Stadtrat hat einstimmig in seiner Sitzung am 27. Januar einer Absichtserklärung (Letter of Intent) zugestimmt, die zum Ziel hat, das Evangelisch-Lutherische Diakoniewerk Neuendettelsau mehrheitlich an der Stadtkrankenhaus Schwabach gGmbH zu beteiligen. Die endgültige Entscheidung soll voraussichtlich im Mai fallen. Die Stadtspitze und die Diakonie streben zum 1. Juli 2017 eine gemeinsame Trägerschaft an, wobei die Diakonie Neuendettelsau mit 75 Prozent den Mehrheitsanteil halten soll.

Damit würde sich der Einfluss der Stadt auf das operative Geschäft des Stadtkrankenhauses reduzieren, nicht aber auf wesentliche Entscheidungen wie den Verkauf von Gesellschaftsanteilen, die Absicherung des Versorgungsauftrags oder Änderungen des medizinischen Konzepts in Schwabach. Bei diesen Entscheidungen wäre Einstimmigkeit unter den Gesellschaftern erforderlich.

„Wir wollen Schwabach als Krankenhausstandort zur Grundversorgung der Bevölkerung dauerhaft erhalten und dabei die medizinische Qualität und die Wirtschaftlichkeit verbessern“, betont Oberbürgermeister Matthias Thürauf. „Als kleines Haus ist dies unter den gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht zu gewährleisten. Deshalb haben wir einen starken und verlässlichen Partner gesucht und ihn in der Diakonie Neuendettelsau gefunden.“ Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Neuendettelsau, Rektor Dr. Mathias Hartmann meint: „Wir haben die Möglichkeit, das Stadtkrankenhaus Schwabach in ein bestehendes funktionierendes Netzwerk einzubinden und nachhaltig aufzustellen. Die gemeinnützige Perspektive, die das Stadtkrankenhaus Schwabach und die Diakonie Neuendettelsau schon heute verbindet, brauchen wir, um trotz schwieriger Rahmenbedingungen eine gute Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung zu sichern.“ OB Thürauf ergänzt: „Ein privater, rein gewinnorientierter Partner kam deshalb für uns nicht in Frage.“

Die Geschäftsführung des Stadtkrankenhauses mit Klaus Seitzinger habe mit sichtbarem Erfolg daran gearbeitet, das örtliche Angebot zu erweitern und mehr Wirtschaftlichkeit zu erreichen, unterstreicht OB Thürauf. Zielrichtung der Bundespolitik sei es jedoch leider, die Zahl der kleinen Krankenhäuser zu reduzieren. „Gerade die Qualitätsvorgaben des Krankenhausstrukturgesetzes zielen auf größere Strukturen und damit höhere Fallzahlen für einzelne Krankheitsbilder ab“, sagt Krankenhaus-Geschäftsführer Klaus Seitzinger. Um fachliche Expertise aufzubauen und sie zu halten, benötige man Mindestgrößen in den jeweiligen Abteilungen und damit eine feste Kooperation, so Seitzinger. Auch aufgrund der – trotz steigender Fallzahlen – andauernden Verlustsituation des Stadtkrankenhauses hatte der Stadtrat 2014 den Auftrag zur Suche nach einem Kooperationspartner gegeben.

Gemeinsam stark

Derzeit werden im Schwabacher Stadtkrankenhaus, das auch weiterhin so heißen soll, 170 Betten mit drei Hauptabteilungen (Innere Medizin, Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie) vorgehalten. Die Diakonie Neuendettelsau ist wie die Stadt eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und der größte diakonische Träger in Bayern. Sie betreibt vier Kliniken in der Region, die Clinic Neuendettelsau (150 Betten), die Klinik Hallerwiese (140 Betten/Nürnberg), die Cnopf’sche Kinderklinik (145 Betten/Nürnberg) und die Rangauklinik in Ansbach (Reha-Klinik mit 75 Akutbetten Pulmologie). Von Schwabach aus sind die diakonischen Klinikstandorte in nur 20 bzw. 30 Minuten zu erreichen, weshalb eine enge Vernetzung möglich ist.

Das Stadtkrankenhaus soll sowohl die Achse der Standorte Ansbach, Neuendettelsau und Nürnberg als auch das fachliche Spektrum der Diakonie erweitern. „Unser gemeinsames Ziel ist die Ausweitung des medizinischen Leistungsangebots im Verbund“, bekräftigten Diakonie-Chef Dr. Mathias Hartmann und OB Thürauf. So könnten Versorgungsketten zwischen den Kliniken entstehen und an einzelnen Standorten Spezialisierungen aufgebaut werden. Mit zunehmender Größe eines Klinikverbundes steigen die Möglichkeiten, neben der Grundversorgung auch erfolgreich spezialisierte Angebote vorzuhalten. Bereits heute besitzt Schwabach eine zertifizierte Stroke-Unit zur Schlaganfallbehandlung, während die Clinic Neuendettelsau einen Linksherzkathetermessplatz zur Behandlung von Erkrankungen im Bereich der Herzklappen oder Herzkranzgefäße vorhält. Es sollen zukünftig doppelte Investitionen und unnötige Konkurrenz vermieden werden. Weiter plant die Diakonie Kompetenzfelder ihrer anderen Standorte mit Schwabach zu vernetzen, z.B. könnte eine Kindersprechstunde mit Ärzten der Cnopf’schen Kinderklinik in Schwabach stattfinden. Anders als Schwabach besitzt Neuendettelsau auch Angebote im Palliativ-Bereich.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtkrankenhauses bleiben unverändert über den Zeitpunkt der Änderungen im Gesellschafterkreis hinaus angestellt, ihre tariflichen Besitzstände sollen dauerhaft erhalten bleiben.

Der Kaufpreis für die Gesellschaftsanteile wird sich an einem noch einzuholenden Gutachten zum Marktpreis orientieren.

Weiteres Vorgehen

Bis zum Mai bereiten beide Seiten einen Kaufvertrag sowie einen neuen Gesellschaftsvertrag vor. Die Diakonie führt noch eine erweiterte Chancen-/Risikenbetrachtung (due diligence) durch. Im Mai sollen der Schwabacher Stadtrat und das Kuratorium der Diakonie dann endgültig grünes Licht für die Kooperation zum 1. Juli 2017 geben.

Kontakt

Jürgen Ramspeck
Telefon: 09122 860-411