Die künstlerische Installation „Blattgold“ von Katharina Sauermann wurde zum Museumstag im Frühjahr 2026 realisiert.
Zu sehen sind goldene Blätter, die den echten Blättern des Blauglockenbaums täuschend ähnlich sind. Der Blauglockenbaum steht symbolisch für den Klimaschutz, da er schnell wächst und große Mengen CO₂ bindet. Das feinsinnige Wortspiel würdigt gleichermaßen handwerkliche Präzision und die Schönheit der Natur.
Zur Entstehung der Arbeit
Der Entschluss, das Projekt „Blattgold“ zu realisieren, fiel im Herbst 2025. Da Katharina Sauermann für die Umsetzung echte Blätter als Vorlage benötigte, stellte sich zunächst ein Problem: Der Blauglockenbaum im Museumsgarten hatte sich bereits eingewintert und war vollkommen kahl. Alle Blätter waren abgefallen und von den Stadtgärtner*innen sorgfältig entfernt worden.
Nach einigen Telefonaten konnte ein Gärtner in Stuttgart weiterhelfen. Er kannte einen Blauglockenbaum am Neuen Schloss, dessen gefallene Blätter aufgrund einer Einzäunung noch am Boden lagen. Der Baum wurde 1946 gepflanzt, als das Schloss selbst noch in Trümmern lag, und ist heute über 20 Meter hoch.
Dort sammelte die Künstlerin die braunen, vertrockneten Blätter auf und brachte sie in ihr Atelier. Mit Wasser und Handcreme machte sie die Blätter wieder geschmeidig. Anschließend formte sie aus Ton Unterlagen, um ihre ursprüngliche Dreidimensionalität wiederherzustellen, die durch das Trocknen verloren gegangen war. Auf diese modellierten Tonformen legte sie die Blätter und goss Gips darüber, um Negativformen zu erhalten.
Mit diesen Formen arbeitete sie anschließend in der Kunststoffwerkstatt der Kunstakademie in Stuttgart weiter. Dort erwärmte sie eine nur einen halben Millimeter dünne transparente Bioplastikfolie und zog sie mittels Vakuums über die Gipsformen.
So wurden die Blätter bis in ihre feinsten Adern detailgetreu nachgebildet. Danach schnitt sie die insgesamt 22 Blätter aus und vergoldete sie mit Schwabacher Blattgold.
Die Installation der Blätter am Blauglockenbaum im Museumspark erfolgte mithilfe eines Hubwagens und in Zusammenarbeit mit einem Stadtgärtner.
Die Kunstinstallation verändert sich mit den Jahreszeiten: Je nachdem, ob der Baum blüht, seine Blätter verliert oder neu austreibt, treten die goldenen Blätter mal stärker hervor, mal werden sie beinahe unsichtbar. So begleitet die Arbeit den natürlichen Wandel des Baumes und macht den Kreislauf der Natur auf poetische Weise erfahrbar.